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Jahreskonzerte 2019

Sa 9. November Stadtkirche Baden  &  Sa 16. November 17h Wil

M a g n i f i c a t

 

 

Wiler Sunntig (Wiler Zeitung 5. 11.2018)

Wiler Zeitung, Christof Lampart 5.11.18

Dieser «Wiler Sunntig» hatte es in sich

Die Stadtkirche St. Nikolaus stand am Sonntagabend ganz im Zeichen des 100. Geburtstags von Paul Huber. Zu seinen Ehren erklang die Uraufführung des «Wiler Sunntig» von Wolfgang Sieber.

Zusammen mit der Singbox Wil brachte der Kammerchor den «Wiler Sunntig» von Wolfgang Sieber zur Uraufführung. (Bilder: Christof Lampart)

Es war keine Frage, sondern eher eine Feststellung: Die Tatsache, dass die Stadtkirche St. Nikolaus praktisch bis auf den letzten Platz gefüllt war, zeigte, dass Paul Huber (1918 bis 2001), obwohl doch schon einige Jahre verstorben, keineswegs aus dem kollektiven Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden ist. Vielmehr merkte man, wenn man am Rande des Konzertes mit den Besucherinnen und Besuchern sprach, dass viele noch lebendige Erinnerungen an den Musiker haben. Den einen war er Dirigent, anderen brachte er das Orgelspiel bei und den meisten war er aus selbst miterlebten Konzerten noch in lieber Erinnerung.
Dass der Romantiker aus dem Toggenburg durch ein aussergewöhnliches Konzert, das der Kammerchor Wil unter der Leitung von Felicitas Gadient zusammen mit der Wiler Singschule Singbox unter der Leitung von Markus Leimgruber gab, so prominent gefeiert wurde, gefiel fraglos. Und dass er mit einem eigens zu seinen Ehren komponierten Werk gefeiert wurde, das allerlei heimatliche und musikalische Aspekte beinhaltete, welche dem Bauernsohn aus Kirchberg lieb waren, setzte dem überaus spannungsreichen wie auch kurzweiligen Konzert die Krone auf.

Prächtiges sakrales Momentum

Zuerst wurden durch den Kammerchor Wil fünf Werke von Paul Huber gesungen.

Das Konzert war in zwei Teile gegliedert, die jedoch praktisch fliessend ineinander übergingen, zumal bei einer Gesamtdauer von etwas mehr als einer Stunde keine Pause eingelegt wurde. Zuerst wurden durch den Kammerchor Wil fünf Werke von Paul Huber gesungen, wobei bei zweien die Singbox-Kinder das Ensemble verstärkten und, bis aufs a cappella gesungene «Adoramus», Wolfgang Sieber durchgehend auf der Orgel begleitete: «O salutaris ostia» (1952), «Salve Regina» (1981), «Missa vocalis» (1946), «Justorum animae» (1985) und «Adoramus» (1944). Gadient verstand es wunderbar, die oft in sich zu ruhen scheinenden Werken als das zu interpretieren, was sie in Wirklichkeit waren: intime musikalische Gebete. Dass der Kammerchor dabei sehr präsent auftrat, klar und verständlich sang, führte unweigerlich dazu, dass sich das sakrale Momentum prächtig entfalten konnte und erlebbar wurde.

Rauschhaft wie ein Rockkonzert

Völlig anderer Natur war da der «Wiler Sunntig» von Wolfgang Sieber (*1954). Wer die Wirkung des Stückes auf die Zuhörerschaft mit «unkonventionell-mitreissend» umschreibt, liegt sicherlich nicht falsch. Denn das, was der gebürtige Lichtensteiger seinem Toggenburger Landsmann zu Ehren komponierte, war eine ziemlich «wilde» Angelegenheit, die mit Natur-Juchzern (Solojodlerin Arlette Wismer), jazzartig eingeworfenen Alphorn-, Kuhhorn-, Büchel und Trompetenklängen (Heinz Della Torre) und wuchtigen Orgeleinsätzen (Wolfgang Sieber) zuweilen ziemlich schräg, nie aber falsch am Platz wirkte. Es war ein rauschhaftes Erlebnis, dass in seiner Wirkung aufs Publikum mehr etwas von einem Rock-, denn von einem Kirchenkonzert an sich hatte.
Doch da waren auch noch die beiden Chöre als Korrektiv, welche sich lustvoll-gekonnt durch Vigil, Laudes und Vesper sangen und dabei munter bekannte Weisen wie «Wenn min Schatz go fuetere goht», «Wiler Lied», Paul Hubers «Missa vocalis» oder das Rigi-Lied zu einem Potpourri aus deutschen, lateinischen, englischen und schweizerdeutschen Worten sowie einigen Jodlern vermengten.
Das Konzert war wunderbar erfrischend. Es wäre zweifelsohne schade, wenn das Werk bis zum nächsten Paul-Huber-Jubiläum wieder in Vergessenheit geraten würde. Dieser Meinung war am Sonntagabend auch die Zuhörerschaft, welche den Aufführenden am Ende einen ebenso begeisterten wie langen Applaus spendete.

Luzerner Zeitung (mat)

Wolfgang Sieber, hier am 7. Januar 2014 im KKL. (Bild: PD)

Man fragte sich, wie weit die Komposition eines halbstündigen Werks über die Stiladaptionen hinausgehen würde, wie man sie von Sieber kennt. Denn für den «Wiler Sunntig» wünschte sich der Chor aus der Ostschweiz, wo der Toggenburger neben Luzern noch heute tätig ist, den Einbezug volksmusikalischer Elemente. Sieber baut sie ein in einen Ablauf, dessen drei Teile mit Sonntags-Assoziationen wie Religion, Gemeinschaft, Natur und Kultur spielen.

Vom Natur-Jodel zu urbanen Big-Band-Sounds

Die Gemeinschaft inszeniert Sieber, indem er in adaptierten Volksliedern zum Kammerchor Kinder- und Jugendchöre (ebenfalls aus Wil) einbezieht, die auch mal in einem alltäglichen Sprachton von ihrem «Städtli» erzählen. Natur symbolisieren die spektakulären Einsätze von Heinz della Torre mit Kuh- und Alphorn, Büchel und Trompete. Natur und Gebet verschmelzen im ergreifenden Naturjodel von Arlette Wismer.

Kompositorisch über Stiladaptionen hinaus geht die Art, wie Sieber diese im Ablauf weiterentwickelt. Wenn zum Naturjodel eine Bläserstimme hinzukommt, werden die Natur- und Gebetssphäre selber zum Kulturprodukt. Wo im Wiler «Städtlilied» die «grosse Welt» genannt wird, bricht Heinz della Torres Trompete lasziv-jazzig in die Idylle ein und schlingert durch die urbanen Big-Band-Sounds der prominent und farbig eingesetzten Hoforgel.

Die grosse Form lebt zudem vom Kontrast zwischen einem zarten Mystizismus und tänzerischer Motorik. Das führt an Höhepunkten zu Turbulenzen, die an Gustav Mahlers Idee der Jahrmarkts-Polyphonie erinnern und die zum Schluss mit einem rasanten Schäfli-Schottisch diesen Sonntag zum Fest machen. (mat)

 

Sa 3.November 19h30, Hofkirche Luzern  &  So 4. November 17h , Stadtkirche St. Nikolaus, Wil – Leitung Felicitas Gadient

Adoramus te  op.5a ( 1944)

Ave maris stella (1952)

O salutaris hostia (1952)

Missa vocalis (1946)

 Kinder- & Jugendchor Singbox Wil und Orgel:

Salve Regina (1981)
Justorum animae (1985)

Uraufführung:
Solisten, Kammerchor Wil, Kinder- & Jugendchor Singbox Wil und Orgel

Wiler Sunntig (Wolfgang Sieber. 2018)

Kulturbühne Wil 2018 (Auftritt Kantonsschule Wil)

Maienwind 2018 Kammerchor Wil Kulturbühne 5. Mai

Flyer

Offenes Singen am Samstagnachmittag, anschl. Konzert 17h30

Kanon „Maienwind am Abend sacht“

Felix Mendelssohn:         Frühlingsahnung op.48 /Im Grünen op.59

Niels Gade:                       Morgenwanderung, op 13, Nr. 3 /Im Wald op.16 Nr. 5

Camille Saint-Saëns:      Calme des nuits /Les fleurs et les arbres

Felix Mendelssohn:         Die Nachtigall, op.59, Nr. 4 / Mailied op.41

Johannes Brahms:          Zu Stiller Nacht
Edvard Grieg:                  Der Frühling op.33

Kanon „Maienwind am Abend sacht“    mit Publikum

 

* * *

Cherubini

Zur Beginn der  Fastenzeit führte der Kammerchor zwei passende Werke auf. Cherubini’s Requiem für Chor & Orchester und Stabat Mater (über das Leiden der Gottesmutter unter dem Kreuz) von Szymanowski für Soli; Ana Maria Labin (S) Roswitha Müller ( A) Thomas Gropper (B),Chor & Orchester: es begleitete die Südwestdeutsche Philharmonie.

Unter der Leitung von Felicitas Gadient

Lux aeterna@Tagblatt 26.3.2016

Kraft gegeben und Trost gespendet

Mit einem wahrhaft «lichten» Konzert wartete der Kammerchor Wil am Gründonnerstagabend in der Kreuzkirche auf. Das Thema «lux aeterna» interpretierte der Chor beseelt und mit splendider Souplesse.
CHRISTOF LAMPART
 lux aeterna klein

WIL. Mit «lux aeterna» (lateinisch, «ewiges Licht»; lux aeterna ist die Communio in der liturgischen Totenmesse) wählte der ebenso ambitionierte wie «klassische» Laienchor unter der Leitung seiner Dirigentin Felicitas Gadient ein Konzertthema aus, das wunderbar zu Ostern passte.

Auf ins ewige Licht!

Denn ein Christ geht mit seinem irdischen Ende nicht in die Finsternis ein, sondern vollzieht den Übergang in eine andere Dimension: ins Paradies, ins ewige Licht. Diesen grundlegenden Gedanken stellte der Kammerchor Wil auch diesem Abend voran. Und so liess das Vokalensemble in seinem Gesang die zahlreichen Konzertbesucher ganz bewusst an der Gestaltung dessen teilhaben, was es allen Menschen an diesem Abend mit seinem Gesang spenden wollte: Kraft, Zuversicht und Trost, auf dass der Mensch dem eigenen Ende zwar nicht freudig, aber zumindest hoffnungsvoll entgegenblicken möge. Der Chor wurde über weite Strecken durch den bekannten Organisten Christoph Wartenweiler begleitet, doch hatten sowohl der Chor seine a-cappella- als auch Wartenweiler seine Solo-Auftritte. So spielte Wartenweiler von Heinrich Scheidemann «O lux beata trinitas» und von Maurice Duruflé den «Choral varié sur le thème du Veni creator».

Stille Meditation

Das Programm umfasste quasi einen ganzen «Lichterreigen», der mit Thomas Tallis «O nata lux» («Aus Licht geboren») seinen Anfang nahm und sich über die Hoffnung auf das ewige Licht in Gabriel Faurés «Cantique de Jean Racine» bis hin zur finalen Gewissheit in Morten Lauridsens «Lux aeterna» spannte. Letzteres war nicht nur das namengebende Hauptwerk dieses Abends, sondern auch «formell» der Höhepunkt. Denn in dieser requiemartigen Komposition – einer stillen Meditation über das Licht – war der Aspekt der Tröstung besonders konkret erfahrbar. Der Kammerchor Wil vermochte die dem Werk innewohnende Spiritualität mit Klangschönheit und einer interpretatorischen Authentizität zu erfüllen, welche die Zuhörerschaft innerlich berührte, bereicherte und – eben – tröstete.

2015Der Kammerchor Wil führte unter der Leitung von Felicitas Gadient Felix Mendelssohns «Lobgesang» in der Kreuzkirche auf. Begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger von der Südwestdeutschen Philharmonie.

Kritiker hatten Mendelssohns «Lobgesang» formale Glätte vorgeworfen. Doch warum Musiktheoretiker zufriedenstellen, wenn ein Werk die Herzen anzusprechen vermag? Als Auftragswerk zur Feier des Buchdruckjubiläums hatte der Komponist eine sinfonische Kantate geschaffen, in welcher er den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit in dramatischen, emotionalen Bildern darstellte. Diese einzigartige Komposition bewegt seit ihrer Erschaffung die Menschen und zog am Samstag ein überaus grosses Publikum in die Kreuzkirche in Wil, das sich am Ende berührt zeigte.

Die machtvolle Sequenz des Kantatenmotivs «Alles, was Odem hat» am Beginn des sinfonischen Teils lässt bereits den Triumph erahnen. Felicitas Gadient, Dirigentin des Kammerchors Wil, verstand es ausgezeichnet, dieses Motiv sowie weitere markante Stellen sehr akzentuiert zu interpretieren. Die Südwestdeutsche Philharmonie zeigte sich mehr als willig, dieser Führung zu folgen, so dass ein ungemein plastisches und zugleich transparentes Klanggemälde entstand. Fernab aller biblischen Historiendramatik setzte Felicitas Gadient den zweiten Satz in eine an Balletteinlagen erinnernde Leichtigkeit, die dem erstaunlichen Wandel im Charakter des sinfonischen Teils entgegenkam. Sehr gesetzt, würdevoll, dem «Adagio religioso» entsprechend, dann der dritte Satz.

Dem Kammerchor ist es hoch anzurechnen, dass er nach der fast 30minütigen Wartezeit bis zu seinem Einsatz nichts an Konzentration verloren hatte, wenn auch das erste Intonieren des «Alles, was Odem hat» ein wenig hinter dem Orchester verschwand. In der Folge jedoch entwickelte sich ein homogenes Miteinander zwischen Chor und Orchester. Wunderbar gelang es den Frauenstimmen, ihren Part als Gefährtinnen der Solistin im «Lobe den Herrn» wahrzunehmen: Mit der schlichten Interpretation rutschte der Teil nicht in frömmlerischen Kitsch ab.

Ein weiterer grosser Moment des Chores war der A-cappella-Teil des «Nun danket alle Gott». Felicitas Gadient gestaltete diesen Choral statisch, erreichte damit eine wunderbare Transparenz, verlor dabei aber nicht die grossen Spannungsbögen aus dem Blick. Als Solisten erfreuten die beiden Sopranistinnen Ana Maria Labin und Katrin Lüthi. Für den erkrankten Jürg Dürmüller war Simon Witzig eingesprungen: Fast schon theatralisch im besten Sinn des Wortes gestaltete er das bange Fragen: «Hüter, ist die Nacht bald hin?», das von der Sopranstimme mit einem glasklaren «Die Nacht ist vergangen» beantwortet wurde.

Carola Nadler, Tagblatt online 4.5.15

Konzert 19./25./26.10.14

pater-noster-2014Mit dem Titel «Pater noster» gelang dem Kammerchor Wil am Sonntagabend ein bemerkenswertes Konzert. Auf dem Programm standen Vaterunser-Vertonungen aus mehreren Jahrhunderten.

Das prächtige Herbstwetter schaffte es an Sonntagfrühabend nicht, die Wiler vom Konzertbesuch abzuhalten: Die Stadtkirche St. Nikolaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Diejenigen, die später kamen, mussten sich mit Stehplätzen zufrieden geben.

Das Konzertprogramm des Kammerchors Wil reihte nicht nur die verschiedenen Vaterunser-Vertonungen aneinander, sondern stellte diese vielmehr in einen ganzheitlichen Kontext. Wolfgang Sieber an der Orgel leitete jeweils mit diskreten Improvisationen zu den Texten über, die Schauspieler Walter Küng vereinzelt zwischen den Kompositionen vortrug.

 

Gute Programmgestaltung

Mit dem Programm hatte sich der Kammerchor einer sehr hohen Anforderung gestellt, denn es ist extrem schwierig, zwischen den unterschiedlichen Gesangsstilen verschiedener Jahrhunderte zu «switchen» und dabei dem jeweiligen Interpretationsstil gerecht zu werden. Doch Dirigentin Felicitas Gadient wusste um die Fähigkeiten ihres Chores und führte diesen zu Höchstleistungen. Dies war auch der geschickten Zusammenstellung zu verdanken: Das Programm war nicht chronologisch, sondern dem Charakter nach in Gruppen, ähnlich Bildinstallationen, zusammengestellt.

Hohe Präsenz und Stilsicherheit

So standen am Beginn des Konzertes mit einem gregorianischen Choral, einer Notre-Père-Komposition von Maurice Duruflé (französischer Impressionismus) und einem Cantate Domino des zeitgenössischen Arvo Pärt drei Werke auf dem Programm, die mit ihrer ätherischen Transparenz durch den Kirchenraum zu schweben schienen. Der Kammerchor zeigte hier höchste Präsenz und Stilsicherheit. Zu Beginn des Konzerts verlas Walter Küng eine leicht modernisierte Version des Vaterunser-Gebetes. Dabei versank er aber nicht in frömmelnde Demut, sondern stand als selbstbewusster Gläubiger seinem Vater gegenüber und forderte sein Geburtsrecht ein: nach Schutz und Versorgung. Aus der russisch-orthodoxen Kirche erklang ein Vaterunser von Nikolai Kedrov, das von der typischen Schwere dieser Sakralmusik geprägt war. Besonders hervor stach später die Komposition «Pater noster» für Sprecher, Chor und Orgel von Wolfgang Sieber, eine Zwiesprache des Gläubigen mit seinem Vater. Nach weiteren Werken stand am Ende Giuseppe Verdis «Pater noster», eine für diesen Komponisten eher unerwartete, introvertierte Umsetzung des Textes.

Carola Nadler Tagblatt online 28.10.2014

2013

Der Kammerchor Wil konzertierte am Samstagabend mit einem kontrastreichen Programm mit Werken von Francis Poulenc und Wolfgang Amadeus Mozart in der Kirche St. Peter. Trotz unterschiedlicher Epochen war das Klangbild homogen.

Wolfgang Amadeus Mozart einem Francis Poulenc gegenüberzustellen, erfordert Mut – und von den Ausführenden Höchstleistungen in Flexibilität und Konzentration. Dem Kammerchor Wil unter seiner Dirigentin Felicitas Gadient gelang dies an einem ergreifenden Konzert, das trotz seiner dichten Klangfülle meditative Momente voller Ruhe bot.

Ehrfürchtiges Staunen

Francis Poulencs «Gloria» glich mit seinen relativ kurzen Teilen einer Ausstellung, in der man von einer Darstellung zur nächsten geführt wird und in jedem Bild der Faszination in der Darstellung erliegt. Überaus präsent und mächtig sang der Kammerchor diese Klangbilder, trotz aller Fülle strahlte das Werk jedoch tiefe Ehrfurcht und Gläubigkeit aus. Dies auch besonders in der wunderschön zurückhaltend interpretierten Passage «Tu solus Dominus», – «Du allein bist der Herr», das einem ehrfürchtigen Staunen gleichkam. Solistin Ana Maria Labin stand dem Chor zur Seite. Ihr strahlender, klarer Sopran führte quasi den Chor der Gläubigen an, schlicht, aber ausdrucksstark, und wuchs mit dem Chor zu einem homogenen Klangbild zusammen.

Gesamteindruck

Für einmal stand nicht das Werk der Klassik am Beginn eines Konzertes: Mozarts «Vesperae solennes de Confessore» wurde im Anschluss an Poulencs «Gloria» aus dem Jahr 1961 aufgeführt. Die Tonsprache folgte nicht der Klangkultur historischer Aufführungspraxis, sondern griff die kraftvolle Fülle Poulencs auf, die Mozart sehr gut zu Gesicht stand und niemals ins Schwerfällige abglitt. Die entstandene Wirkung verband die beiden Epochen zu einem abgerundeten Gesamteindruck.

Solistenquartett

Liliane Glanzmeier (Alt), Nino Aurelio Gmünder (Tenor) und Peter Brechbühler (Bass) boten in ihren Passagen eine schöne Ergänzung zum grossen Chorklang. Lediglich Ana Maria Labin stach hervor: Das berühmte «Laudate Dominum» berührte in der innigen, aber niemals ins Sentimentale abgleitende Interpretation der Sopranistin.

Instrumental wurden die beiden Werke von der Südwestdeutschen Philharmonie aus Konstanz begleitet, die mit grosser Bläserbesetzung im Poulenc-Gloria für eine facettenreiche Klangfarbigkeit sorgte.

 

carola nadler@tagblatt online 9.9.13